10 Fragen zur Brustrekonstruktion nach Krebs an Doz. Dr. Lorenz Larcher - MOOCI. Die Qualitätsinstanz
10 Fragen zur Brustrekonstruktion nach Krebs an Doz. Dr. Lorenz Larcher

Im Oktober legten wir bei MOOCI den Fokus auf das Thema Brustkrebs. Wir haben sowohl auf Instagram als auch auf unserem Facebook-Kanal im Nachhinein noch einige Fragen zu dem Thema bekommen. Gemeinsam mit unserem Spezialisten, Priv. Doz. Dr. Lorenz Larcher, beantworten wir euch die zehn häufigsten Fragen zum Thema Rekonstruktion.

Ab wann ist eine Rekonstruktion möglich?

Je nachdem wie weit der Tumor fortgeschritten ist, gibt es zwei Möglichkeiten. Zum einen gibt es eine Sofortrekonstruktion, auch als Primärrekonstruktion bekannt. Hier wird direkt nach der Amputation in derselben Operation die Rekonstruktion durchgeführt. Dies ist vor allem dann möglich, wenn das Brustgewebe vorsorglich entfernt wir, zum Beispiel bei BRCA Gen positiven Patienten, die sich aus genetischen Risikogründen das Brustgewebe vorsorglich entfernen lassen, prominentestes Beispiel ist hier die US Schauspielerin Angelina Jolie. Die zweite Möglichkeit ist die Sekundärrekonstruktion, bei der die Brustrekonstruktion nach der Entfernung des Brustgewebes zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt wird.

Welche Techniken gibt es?

Die Brustrekonstruktion ist sowohl mit Implantaten als auch mit Eigengewebe möglich. Bei einer Rekonstruktion mit Eigengewebe gibt es verschiedene Möglichkeiten. Meist kommen Haut, Unterhaut, Fett und Muskulatur von einer Körperstelle, wie beispielsweise dem Bauch oder Oberschenkel zum Einsatz. In der Medizin nennt man diese Techniken auch Lappenplastik.

Ausführliche Informationen zu den verschiedenen Möglichkeiten der Rekonstruktion kannst Du auf unserer Brustrekonstruktions-Seite nachlesen.

Gibt es Faktoren, warum eine Brustrekonstruktion nicht möglich ist?

Nach einer Tumorerkrankung spricht aus medizinischer Sicht nur sehr wenig gegen eine Brustrekonstruktion. Das wichtigste ist, dass die Patientin eine Rekonstruktion auch will und nicht für die alleinige Ablatio, sprich Entfernung des pathologischen Brustgewebes ohne weiterführende rekonstruktive Maßnahmen optiert.

Was muss vor einer Brustrekonstruktion beachtet werden?

Neben ausführlichen Beratungs- und Aufklärungsgesprächen ist es vor allem wichtig, dass die Patientin offen über ihren Krankheitsverlauf berichtet. Es ist sehr wichtig, dass der Arzt über etwaige Risikofaktoren, wie etwa bereits erfolgte Voroperationen, Durchblutungsstörungen, vorangegangenen Therapien, hier vor allem Bestrahlungen und über weitere Erkrankungen oder Allergien informiert wird.

Wie viele Operationen sind notwendig?

Dies hängt immer von der Art der Rekonstruktion ab, daher lässt sich hier nur schwer eine allgemeine Aussage treffen. Der Behandlungsplan wird immer individuell auf die Patientin zugeschnitten. Findet eine Primärrekonstruktion statt, so bedarf es meist nur einer Operation. Bei einer Sekundärrekonstruktion sind mindestens zwei Eingriffe notwendig.

Welche Möglichkeiten gibt es zur Rekonstruktion der Brustwarze?

Es gibt auch hier verschiedene Möglichkeiten bei der Rekonstruktion der Brustwarze. Wir verwenden eine besondere Technik, bei der eine lokale Lappenplastik zum Einsatz kommt, zusätzlich tätowieren wir den Warzenhof, um ein möglichst natürliches Ergebnis zu erzielen. Es bestehen aber auch andere Techniken, wie zB die Möglichkeit Hauttransplantate zu verwenden.

Welche Komplikationen können auftreten?

Bei der Rekonstruktion mit Implantaten kann es zu einer Abstoßungsreaktion (Kapselfibrose) oder zu einer Malposition des Implantates kommen. Beim Eigengewebe kann das Gewebe auch absterben und es kann auch ein größerer Blutverlust eintreten. Diese Komplikationen sind aber zum Glück relativ selten.

Was muss nach einer Brustrekonstruktion beachtet werden?

Die Patientinnen sollen bestmöglich auf ihren Körper hören und sollten sich möglichst viel Ruhe zur Erholung gönnen. Je nach angewandter OP-Technik muss die Patientin auch einige wichtige Verhaltensregeln und Anweisungen des Chirurgen beachten.

Im Normalfall bleibt die Patientin ein bis fünf Tage zur Beobachtung im Krankenhaus. Anschließend muss die Patientin einen speziellen Verband sowie gut angepassten Stütz-BH tragen.

Müssen nach der Operation spezielle Medikamente eingenommen werden?

Bei einer Rekonstruktion mit Eigenfett raten wir zu einer präventiven Antibiotikabehandlung für etwa sieben Tage. Zudem erhalten Patientinnen nach der Operation Schmerzmittel und gegebenenfalls werden noch Antikoagulantien (Thromboseprophylaxe) verordnet.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Rekonstruktion?

Ja, im öffentlichen Gesundheitssystem in Südtirol und Österreich übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Dies sollte aber vorher immer abgesprochen werden.

Priv. Doz. Dr. Lorenz Larcher, MRM

Dr. Marian Mackowski - Expertentipp

Dr. Lorenz Larcher ist Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie in Bozen, Italien. Er studierte in Innsbruck und war unter anderem am UKH Salzburg tätig. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Brustchirurgie, Mikrochirurgie und die Handchirurgie.

Seit Mai 2016 ist Dr. Larcher der neue ärztliche Leiter des landesweiten Dienstes für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie im Südtiroler Sanitätsbetrieb. Im gleichen Jahr eröffnete er zusätzlich seine Privatordination in der Privatklinik Donna Salus.

Solltest Du noch Fragen zum Thema Brustkrebs, Brustkrebs-Vorsorge oder Rekonstruktion haben, kannst Du uns jederzeit über unsere Social-Media-Kanäle, Facebook und Instagram, sowie über unser Kontaktformular erreichen.

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