10 Fragen zur Handchirurgie an Prof. Dr. Dr. Lukas Prantl - MOOCI. Die Qualitätsinstanz
10 Fragen zur Handchirurgie an Prof. Dr. Dr. Lukas Prantl

Unsere Hände werden im Alltag auf die unterschiedlichsten Weisen strapaziert, ohne das wir es großartig merken. Aber was passiert, wenn es plötzlich zu Schmerzen kommt, die nicht mehr verschwinden? Wir haben Prof. Dr. Dr. Lukas Prantl zehn Fragen zu den häufigsten Erkrankungen im Bereich der Hände gestellt. Er erklärt unter anderem den schnellenden Finger, das Karpaltunnelsyndrom und die Dupuytren´sche Kontraktur und wie diese behandelt werden können.

Was ist ein schnellender Finger und was sind die Beschwerden?

Bei einem schnellenden Finger liegt meist eine Überlastung vor. Durch die Verengung des Ringbandes. kommt es zu einer Verdickung der Sehne, die dann nicht mehr normal gleiten kann. Wenn die Sehne unter diesem Band hängen bleibt, entsteht eine Einschränkung der Bewegung und es kommt zu dem „Schnapp-Phänomen“.

Man kann sich das Band wie einen Tunnel vorstellen durch den die Sehne durchgleitet. Wenn der Tunnel zu eng wird, kommt es zu einer Reibung. Die verdickte Sehne kann nun in diesem Tunnel hängen bleiben, was zum Schnappen des Fingers führt.

Welche Ursachen gibt es für den schnellenden Finger?

Letztendlich sind die Ursachen noch nicht ganz klar, eine mechanische Überlastung kann unter anderem ein Grund dafür sein. Aber auch Sportarten, die Druck auf die Handflächen ausüben, wie beispielsweise Tennis, oder Arbeiten mit schweren Geräten können die Ursache dafür sein. Chronische Krankheiten, die mit Entzündungen einhergehen, wie Rheuma oder Gicht können ebenfalls den schnellenden Finger auslösen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es und wie sind die Erfolgsaussichten?

Grundsätzlich muss man den schnellenden Finger in unterschiedliche Schweregrade einteilen. Beim Anfangsstadium kann man mit entzündungshemmenden Medikamenten behandeln und gegebenenfalls zusätzlich noch eine lokale Injektion mit Kortison durchführen, um die Entzündung zu unterdrücken.

Schnappt der Finger stärker/nahezu immer und es kommt zu einer spürbaren Verhärtung, so liegt ein Mittel- bis Endstadium vor. Dann ist ein operativer Eingriff notwendig. Dieser wird unter lokaler Betäubung durchgeführt. Durch einen zwei Zentimeter kleinen Schnitt wird das Bändchen dann der Länge nach durchtrennt. Sobald das Ringband durchtrennt ist kann die Sehne wieder problemlos gleiten. Der Eingriff dauert meist zwischen fünf und zehn Minuten.

Was sind die Ursachen für das Karpaltunnelsyndorm?

Ähnlich wie bei dem schnellenden Finger sind auch die Ursachen beim Karpaltunnelsyndrom nicht ganz klar. Durch mechanische Belastungen oder kleine wiederholte Traumen kann das Gewebe gereizt werden. Auch genetische Faktoren können eine mögliche Ursache sein. Auch schwangere Frauen, Patienten mit Leberzirrhose oder bei entzündlichen Bindegewebserkrankungen kann es vermehrt zu einem Karpaltunnelsyndrom kommen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Es gibt unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten, diese sind aber abhängig von der Ausprägung des Karpaltunnelsyndroms. Im Anfangsstadium reicht meist eine Lagerungsschiene (Nachtlagerungsschiene), welche für mindestens drei Wochen getragen werden muss. Wenn die Schiene zu keiner Verbesserung führt, dann ist eine operative Behandlung notwendig. In den meisten Fällen ist dies auch der Fall. Die Operation kann endoskopisch oder offen über einen kleinen Hautschnitt durchgeführt werden. Wichtig bei diesem Eingriff ist, das Karpalband vollständig zu durchtrennen, damit der Nerv wieder genügend Platz hat.

Ist eine Nachbehandlung notwendig?

Nach einem operativen Eingriff ist in den meisten Fällen keine Nachbehandlung notwendig. Es ist aber in den ersten zwei Wochen nach dem Eingriff besonders wichtig, dass keine extremen Handgelenksbewegungen ausgeführt werden, wie beispielsweise abrupte Streckungen.

Was ist eine Dupuytren´sche Kontraktur?

Eine Dupuytren’sche Kontraktur ist eine Verhärtung des Bindegewebes im Bereich der Handfläche und der Finger.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Auch hier kommt es wieder ganz auf die Ausprägung der Kontraktur an.
Bei einer leichten Kontraktur reicht eine minimal-invasive Behandlung, wie beispielsweise eine Injektion von Kollagenase oder eine Nadelfasziotomie, d.h. dass der Strang mit einer scharfen Nadel durchtrennt wird, um die Verhärtung zu lösen. Sollte die Kontraktur stärker ausgeprägt sein, so ist ein operativer Eingriff notwendig und die Verhärtung muss vollständig entfernt werden.

Kann sich eine Dupuytren´sche Kontraktur nach einer Behandlung erneut bilden?

Ja, eine Kontraktur kann sich nach einer Entfernung erneut bilden. Dies kann unter anderem auch von der operativen Technik abhängen. Es ist hier besonders wichtig, dass der Chirurg besonders erfahren ist, damit die Chance einer Neubildung so gering wie möglich gehalten wird. Spezielle Fett-Faszienschichten müssen als Gleitlager bei der Operation erhalten werden.

Was muss ich vor und nach einer Behandlung/Operation im Bereich der Hände beachten?

Wie vor jeder Operation gibt es einige Dinge zu beachten, das gilt auch bei Operationen an den Händen. Rund eine Wochen vor dem operativen Eingriff darfen dürfen keine blutverdünnenden Medikamente (z.B. Aspirin) mehr eingenommen werden. Auch auf Alkohol und Nikotin solltest Du verzichten, da diese die Wundheilung nach der Operation negativ beeinflussen können. Es ist besonders wichtig, dass Du keine Verletzungen, offene Stellen hast beziehungsweise diese bereits nahezu abgeheilt sein sollten. Weiters sollten Deine Nägel kurz geschnitten sein und Nagellack oder künstliche Nägel entfernt werden.

Nach einem operativen Eingriff solltest Du mit kontrollierten Bewegungen anfangen, welche Dir der Arzt oder das Pflegepersonal zeigen. Die Fäden werden nach etwa zwölf Tagen entfernt. Versuche in den ersten zwei Wochen nach der Operation Tätigkeiten zu vermeiden, bei denen Du Deine Hände belasten musst. Zudem empfehle ich, die Hand in den ersten Tagen hochzulagern.

 

Prof. Dr. Dr. Lukas Prantl

Dr. Doris Wallentin - Expertentipp

 

Prof. Dr. Dr. Lukas Prantl ist Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie sowie Handchirurgie in Regensburg. Seit 2012 ist er Direktor der Klinik für Plastische und Ästhetische, Hand- und Wiederherstellungs-Chirurgie am Caritas Krankenhaus St. Josef, Hochschulzentrum der Universität Regensburg und leitet zudem auch die Abteilung für Plastische und Ästhetische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am Universitätsklinikum Regensburg.

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