Alles zum Thema Wundheilungsstörung

Wundheilungsstörungen gehören zu den häufigsten Komplikationen, welche vor allem nach größeren Operationen auftreten. Schlecht heilende Wunden bedeuten für die Betroffenen meist Einschränkung in ihrer Lebensqualität. Viele Patienten schämen sich, denn oftmals sind Sie in Ihrer Bewegung eingeschränkt oder es entstehen Wundsekrete und unangenehme Gerüche. Ein lästiger Juckreiz und starke Schmerzen gehören ebenfalls zu den unangenehmen Begleiterscheinungen, welche eine infizierte Wunde mit sich bringen kann.

Was versteht man unter Wundheilungsstörungen?

Eine Wundheilungsstörung tritt dann auf, wenn die Haut nach einer Verletzung nicht planmäßig verheilt. Im Normalfall versucht Dein Körper nach einer Beschädigung des Gewebes, die Wunde so schnell wie möglich zu schließen und durch neues Gewebe zu ersetzen. Kommt es in diesem Heilungsprozess zu einer Störung, dann sind unter anderem Infektionen und Entzündungen die Folge, welche Deinen Körper schwer belasten. Handelt es sich um eine große Wunde, wie beispielsweise nach einer Operation, dann kann die Situation sogar lebensbedrohlich werden. Es ist also wichtig, dass Du sofort einen Arzt aufsuchst!

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Phasen der Wundheilung:

Exsudative Phase:

Diese Phase setzt in den ersten paar Minuten nach der Verletzung ein und dauert bis zu acht Stunden an. Dein Körper versucht den entstandenen Schaden so gut es geht einzugrenzen. Das bemerkst Du unter anderem daran, dass die Blutungen der Wunde nach und nach versiegen und sich Schorf bildet. Dieser schützt die entstandene Verletzung und verhindert das Eindringen von Bakterien.

Resorptive Phase:

Sie beginnt ab dem ersten Tag und hält meist bis zum dritten Tag nach der Verletzung an. Das Immunsystem sendet Botenstoffe, Zellen und Eiweiße aus, welche in den Wundbereich eindringen und die Heilung fördern. Fresszellen beginnen „aufzuräumen“ indem sie das geronnene Blut, kaputte Zellen, sowie Keime entfernen.

Proliferative Phase:

Zwischen dem vierten und siebten Tag der Heilung, ist Dein Körper mit der Bildung neuer Hautzellen in der Wunde beschäftigt. Blutgefäße entstehen, wachsen ein und auch Bindegewebe bildet sich wieder nach. Handelt es sich bei der Verletzung um eine kleine Wunde, dann verheilen die Wundränder ganz einfach. Ist die Verletzung jedoch größer, dann bildet Dein Körper in der Wunde vorläufiges Füllgewebe, auch Granulationsgewebe genannt.

Reparative Phase:

Ab dem achten Tag beginnt Dein Körper die Wunde endgültig zu verschließen, indem er neue Hautzellen bildet. Das erkennst Du daran, dass sich Deine Verletzung deutlich verkleinert. Bei einer größeren Wunde verfestigt und verdichtet sich das Granulationsgewebe. Bilden sich Narben, dann ist das Gewebe meist etwas heller und nicht ganz so elastisch wie die Haut darum herum. Die reparative Phase kann mehrere Monate andauern, je nach Größe der Verletzung.

Formen der Wundheilung:

Mediziner unterscheiden nicht nur unterschiedliche Phasen, sondern ebenfalls verschiedene Formen der Wundheilung und zwar die primäre und sekundäre Form.

Primäre Wundheilung:

Primär heilende Wunden haben glatte Wundränder, welche dicht beieinander liegen. Es liegt keine Verunreinigung durch Keime oder Fremdkörper vor. Deine Verletzung kann ohne Komplikationen abheilen. Zudem enthält die Wunde kein abgestorbenes Gewebe und die Stellen darum herum sind weiterhin gut durchblutet. Im Normalfall benötigt der Heilungsprozess nur wenige Tage und es verbleiben keine sichtbaren Narben. Die primäre Wundheilung findet meist nach kleinen (chirurgischen) Schnittwunden und Schürfwunden statt.

Sekundäre Wundheilung:

Kommt es bei einer Verletzung zu einem größeren Gewebeverlust, dann setzt die sekundäre Form der Wundheilung ein. Wunden mit klaffenden oder zerfetzen Wundrändern, welche beispielsweise bei Hundebissen oder durch eine starke Verbrennung auftreten, kann ein Arzt nicht vernähen. Die Verletzung muss sich vom Grund her schließen. Dazu bildet Dein Körper eine große Menge an Granulationsgewebe, welches sich letztendlich zu Narbengewebe umwandelt.

Symptome der Wundheilungsstörung:

Eine Wundheilungsstörung erkennst du vor allem daran, dass die Wunde nicht abheilt. Die Ränder der Verletzung können auseinanderweichen, Blut sammelt sich an oder sie sterben ab und werden gelblich. Rötungen, Schwellungen  und Eiter aufgrund von Entzündungen sind ebenfalls häufige Symptome. Durch die Infektion entstehen meist ein unangenehmer Juckreiz und starke Schmerzen. Siedeln sich in der Wunde zudem Keime an, dann hat das unter Umständen Konsequenzen für Deinen ganzen Körper. So ist zum Beispiel hohes Fieber eine Reaktion Deines Organismus auf die Infektion. Hast Du den Verdacht, dass Deine Wunde nicht richtig abheilt, dann suche auf jeden Fall einen Arzt auf. Er schaut sich die Verletzung an und erstellt eine Diagnose.

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Formen der Wundheilungsstörung:

Aseptische Wundheilungsstörung:

Aseptische Wundheilungsstörungen werden nicht durch Verunreinigungen der Wunde hervorgerufen, sondern entstehen aufgrund einer Durchblutungsstörung der Haut. Dies führt dazu, dass der Wundrand abstirbt. Verletzungen, welche nach einer kürzlich erfolgten Operation wieder aufgehen, fallen ebenfalls unter die aseptische Form.

Septische Wundheilungsstörung:

Keime und Bakterien gelangen in die offene Wunde, verhindern die Heilung und lösen dadurch eine septische Wundheilungsstörung aus. Meist rötet sich die Verletzung und sie beginnt zu eitern.

Hypertrophe Narben & das Keloid:

Zwei weitere Form der Wundheilungsstörung sind die hypertrophe Narbe und das sogenannte Keloid. Hierbei kommt es zu einer Überproduktion von Bindegewebe, welches die Verletzung zwar verschließt, aber sehr große und teilweise wulstige Narben hinterlässt. Im Gegensatz zur Hypertrophen Narbe, die sich auf das Wundgebiet begrenzt, überschreitet das Keloid diesen Bereich.

Ursachen und Risikofaktoren der Wundheilungsstörung:

Die Ursachen einer Wundheilungsstörung sind vielfältig. Infektionen durch Keime, Bakterien, Pilze oder Fremdkörper wirken sich negativ auf den Heilungsprozess Deines Körpers aus. In einigen Fällen spielen auch Grunderkrankungen, wie Blutarmut, Blutgerinnungsstörungen oder Diabetes, eine wichtige Rolle bei der Verzögerung der Regeneration. Ein schwaches Immunsystem, chronische Erkrankungen, oder die Einnahme von speziellen Medikamenten sind ebenfalls Einflussfaktoren, welche  auf den Reparaturprozess Deines Körpers einwirken. Der Konsum von Nikotin und Alkohol erschwert die Wundheilung zusätzlich. Das Risiko für eine Wundheilungsstörung steigt zudem mit steigendem Alter.

Gefahren der Wundheilungsstörung:

Lässt Du eine beginnende Wundheilungsstörung sofort fachgerecht behandeln, dann sinkt das Risiko von gefährlichen Infektionen. Allerdings ist es wichtig schnell zu handeln. Bei einer Verletzung startet Dein Körper eine Entzündungsreaktion. Im Falle einer Wundheilungsstörung, kommt diese nicht mehr zum Stillstand, weshalb sich eine chronische Entzündung entwickelt. Optimalerweise begrenzt sich die Infektion auf einen lokalen Bereich, doch häufig findet eine Ausbreitung im ganzen Körper statt, was zu einer lebensbedrohlichen Situation führen kann. Der letzte Ausweg ist meist eine stationäre Behandlung.

Wundverband
Wundverband

Behandlungsmethoden:

Heutzutage gibt es eine Vielzahl an Behandlungsmöglichkeiten, um eine Wundheilungsstörung in den Griff zu bekommen. Am besten lässt Du Dich von Deinem Arzt ausführlich beraten, damit Du die Methode findest, welche Dir am meisten zusagt. Wir stellen Dir heute einige dieser Therapien vor:

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Verschiedene Verbandsarten:

Zur Behandlung der Wundheilungsstörung kannst Du auf unterschiedliche Verbände zurückgreifen. Hydrokolloid-Verbände enthalten beispielsweise spezielle Inhaltsstoffe, welche das Wundsekret und die „Zelltrümmer“ binden und fest einschließt. Es entsteht nun ein feuchtes Milieu, welches optimal für die Wundheilung ist und die Verbände verschließen Deine Wunde luftdicht. Der entstehende Sauerstoffmangel regt die Bildung neuer Gefäße an und beschleunigt so den Heilungsprozess.

Alginat-Verbände bestehen aus Alginsäuren oder Calcium- und Natriumionen aus Braunalgen. Kommt der Verband mit Deiner Wunde in Berührung, dann geliert das Wundwasser zusammen mit den Alginatfasern. Dieses Gel trägt dazu bei, dass ein feuchtes Klima entsteht. Die im Verband enthaltenen Inhaltsstoffe wirken zudem reinigend und blutstillend. Durch jeden neuen Verbandswechsel geht die Anzahl der Krankheitserreger in der Wunde zurück.

Stammzellen-Therapie:

Bei der Stammzellen-Therapie entnimmt Dir der Chirurg etwa 50 Milliliter Fett, aus welchem er rund zwei Millionen Stammzellen isoliert. Diese träufelt er Dir mit einer Lösung auf die offene Wunde. Die Zellen beginnen sich zu teilen und lassen verschieden Zelltypen entstehen. So können sie beispielsweise Gefäßwände oder Hautzellen bilden, welche für die Wundheilung sehr wichtig sind und diese unterstützen.

Infrarot-Licht-Therapie:

Bei dieser Methode bestrahlt der Arzt Deine Wunde mit Infrarotlicht, welches natürlichem Sonnenlicht ähnelt. Die Wärme regt die Durchblutung an und verbessert zudem die Versorgung des Wundgewebes mit Sauerstoff. Es findet zudem eine Linderung der Schmerzen statt, da der vermehrte Blutfluss in Deinem Körper die Stoffe „wegspült“ welche Schmerzen erzeugen. Das Infrarot-Licht drängt vorhandene Infektionen zurück und der Wundheilungsprozess kann beginnen, indem sich schneller neue Hautzellen bilden.

Magnetfeld-Therapie:

Wie der Name schon sagt, kommt bei dieser Therapiemethode ein Magnet zum Einsatz. Der Arzt gibt eine Röhre um das erkrankte Körperteil herum, welche ein Magnetfeld erzeugt. Die magnetischen Schwingungen regen Deinen Stoffwechsel dazu an, vermehrt Aminosäuren herzustellen, welche für viele wichtige Vorgänge in Deinem Körper zuständig sind. Zudem fördert die magnetische Energie die Durchblutung Deines Organismus. Dein Immunsystem profitiert ebenfalls davon.

Madentherapie:

Viele Patienten schreckt der Gedanke, sich Maden auf eine Wunde setzen zu lassen, ab. Anders als die meisten Menschen vielleicht glauben, ist diese Therapie jedoch nicht unhygienisch. Die Maden werden in einem Labor steril gezüchtet und übertragen daher keine Krankheiten oder Erreger. Der Arzt reinigt die Wunde  und befestigt entlang der Wundränder einen Klebestreifen, damit die Maden im Wundbereich bleiben. Anschließend bedeckt er die Larven mit einer Kompresse und umwickelt das Ganze mit einem lockeren Verband. Alle drei bis vier Tage erfolgt ein Verbandswechsel. Die Maden entfernen sanft das abgestorbene Gewebe, ohne das gesunde Gewebe zu beschädigen, wodurch eine Förderung der Wundheilung stattfindet. Zudem sondern sie ein Sekret ab, welches Fibroblasten (Zellen) anregt, sich zu vermehren.

Vorbeugung:

Um die Risiken einer Wundheilungsstörung zu minimieren gibt es ein paar Punkte, welche Du beachten solltest. Nach einer größeren Verletzung oder Operation, solltest Du auf jeden Fall regelmäßig zur Nachkontrolle gehen. So kann Dein Arzt sofort eingreifen, falls es zu Auffälligkeiten kommt. Es ist wichtig, dass Du die Verbände in bestimmten Abständen wechselst, damit sich keine Keime ansammeln. Bewiesen ist ebenfalls, dass der Konsum von Nikotin und Alkohol die Wundheilung verzögert.

Du kannst die Regeneration fördern, indem Du Dich gesund und ausgewogen ernährst. Eiweiße, Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe fördern den Heilungsprozess. Vorsicht ist auch bei der Einnahme von Medikamenten geboten, vor allem, wenn diese Stoffe wie Gerinnungshemmer enthalten. Solltest Du unter einer Grunderkrankung, wie beispielsweise Diabetes, leiden, dann musst Du diese ebenfalls mitbehandeln lassen.

Zusammenfassung:

  • Eine Wundheilungsstörung liegt dann vor, wenn Deine Wunde auch nach mehreren Wochen einfach nicht abheilt.
  • Ursachen dafür sind unter anderem falsche Verbände, Infektionen oder bestehende Grunderkrankungen.
  • Es steht Dir eine große Auswahl an unterschiedlichen Therapiemöglichkeiten zur Verfügung
  • Ernähre Dich ausgewogen und verzichte wenn möglich auf Alkohol und Nikotin
  • Es ist wichtig, dass Du Deine Wunde regelmäßig bei einem Arzt untersuchen lässt!

 

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